KI und Dekarbonisierung: Wann lohnt sich der Einsatz?
In diesem Blogartikel gehen wir darauf ein, wie KI in produzierenden Unternehmen heute sinnvoll zur Dekarbonisierung eingesetzt werden kann, welche Anwendungen sich bewährt haben, wo die typischen Hürden liegen und wie Sie entscheiden, ob ein KI-Einsatz für Ihr Unternehmen sinnvoll ist ‒ oder ob zuerst grundlegendere Probleme, wie fehlende oder nicht harmonisierte Datenstandards, angegangen werden müssen.
Nathalie Unger
Dekarbonisierung und KI kurz eingeordnet
Dekarbonisierung bedeutet, Treibhausgasemissionen systematisch zu reduzieren. Das betrifft direkte Emissionen aus eigenen Anlagen, als Scope 1 bezeichnet, ebenso wie Emissionen aus eingekaufter Energie, Scope 2, und Emissionen entlang der Lieferkette, Scope 3. KI bezeichnet Methoden, die aus Daten Muster erkennen und daraus Vorhersagen oder Empfehlungen ableiten. Dazu zählen Machine- Learning-Modelle genauso wie Large Language Models, kurz LLMs, die Texte verstehen, strukturieren und zusammenfassen können.
Wie passen Dekarbonisierung und KI zusammen? Eine wesentliche Grundlage für Dekarbonisierung ist es, belastbare Daten vorliegen zu haben und daraus gute Entscheidungen treffen zu können. KI kann dabei wertvoll eingesetzt werden, wenn sie aus vorhandenen Daten schneller belastbare Handlungsoptionen ableitet und Aufgaben abnimmt sowie vereinfacht.
Warum Dekarbonisierung im Alltag oft stockt
Viele Unternehmen, die sich bereits Klimaziele (z. B. nach SBTi) gesetzt haben, merken, dass sie bei der Umsetzung ins Stocken geraten. Das liegt nur bedingt an fehlendem Willen. In manchen Fällen liegt es daran, dass die Ziele zu ambitioniert gesetzt wurden und die geplanten Maßnahmen nicht ausreichen. In anderen Fällen liegt es daran, dass die operative Realität komplex ist und Informationen nicht sauber zusammenlaufen.
Typische Pain Points unserer Kunden auf ihrem Weg zu Net Zero sind die folgenden:
1. Daten sind vorhanden, aber nicht anschlussfähig und dezentral verteilt
Ein Beispiel veranschaulicht den Punkt: Die Daten zum Energieverbrauch stecken im Energiemanagementsystem, die Produktionsdaten im Manufacturing Execution System, kurz MES, Einkaufsdaten sind im Enterprise Resource Planning, kurz ERP, zu finden und die Wartungsinformationen in Instandhaltungssystemen. Die Daten sind also dezentral in verschiedenen Systemen verteilt und werden nicht gemeinsam betrachtet. Solange diese Daten nicht systemübergreifend verknüpft und auf eine gemeinsame Logik gebracht werden, bleibt unklar, wo Emissionen in welchem Ausmaß entstehen und welche Maßnahmen tatsächlich den größten Hebel haben. Für die Anbindung an ein Tool sind die Datenharmonisierung und Datenbereinigung oft ein notwendiger Schritt, der vorausgehen muss.
2. Scope 3 wird zum Blindflug
Belastbare Emissionsdaten aus der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette zu erhalten ist eine große Herausforderung in vielen Dekarbonisierungsprojekten. Lieferanten sitzen oft in weit entfernten Ländern, möchten aus Wettbewerbsgründen keine Auskunft geben oder haben selbst keine Kenntnis über die relevanten Daten. Partner in nachgelagerten Aktivitäten (z. B. Entsorgung) haben keine Kapazität für individuelle Auskünfte oder generell keine verfügbaren Daten. Das zeigt, es gibt vielfältige Gründe, warum Scope-3-Daten in ungenauen Schätzwerten resultieren können. Schätzwerte reichen für eine erste Orientierung, helfen aber wenig für gezielte Reduktion.
3. Maßnahmen brauchen einen Priorisierungsprozess
Investition in PV-Anlage, Änderung der Einkaufsstrategie, Umrüstung von Produktionsmaschinen. Die Liste an Maßnahmen ist lang. Viele Maßnahmen sind mit Investitionen verbunden und die meisten Maßnahmen bei erster Betrachtung vielversprechend. Bei genauerer Betrachtung ergeben sich dann schnell viele Fragen, z. B. welche bringt die wirkungsvollste Reduktion pro investiertem Euro, welche reduziert langfristig Kosten, und welche gefährdet Qualität oder Lieferfähigkeit. Die Entscheidung für Maßnahmen entpuppt sich als Prozess, in den mehrere Kriterien einfließen. Ohne klare Priorisierung entsteht Aktivität, aber kein Fortschritt.
4. Monitoring kostet Zeit, und Zeit fehlt
Neben der Zielsetzung und Maßnahmenplanung ist das Monitoring der Zielerreichung und Maßnahmenumsetzung ein wichtiger Schritt, der allerdings oft vernachlässigt wird. Dadurch merken Unternehmen oft erst viel zu spät, dass sie die gesteckten Ziele nicht erreichen können und Maßnahmen längst hätten angepasst werden müssen. Dann wird nicht gesteuert, sondern reagiert.
Wo KI in der Dekarbonisierung hilft: Vier Beispiele aus der Produktion
Wenn Sie sich in den beschriebenen Herausforderungen im vorherigen Abschnitt wiedererkannt haben, fragen Sie sich nun möglicherweise, wie Sie die Herausforderung angehen können und wie KI Ihnen dabei behilflich sein kann. Wichtig zu verstehen ist, dass KI kein Allzweckwerkzeug ist. In den richtigen Feldern angewandt, kann sie aber einen spürbaren Unterschied machen, wenn Daten, Verantwortlichkeiten und Zielbild zusammenpassen.
Wer mit KI startet, findet heute eine Vielzahl an Tools, die Basisprozesse wie Bilanzerstellung, Monitoring und Maßnahmenableitung bereits zuverlässig unterstützen, oft mit überschaubarem Aufwand und schnellen ersten Ergebnissen. Für Unternehmen, die diese Grundlage bereits haben oder mehr aus ihren Daten herausholen wollen, gibt es darüber hinaus fortgeschrittenere Anwendungen, die tiefer in operative Prozesse eingreifen und messbar größere Hebel bewegen.
Im Folgenden zeigen wir anhand konkreter Beispiele aus der Produktion, wie solche KI-Anwendungen in der Praxis eingesetzt werden und welchen Beitrag sie zur Dekarbonisierung leisten können.
1. Energie und Prozesse optimieren: vom Bauchgefühl zur Regelung
In energieintensiven Prozessen entstehen Emissionen oft durch scheinbar kleine Ursachen, etwa falsche Sollwerte, Leerlauf, unnötige Anfahrverluste oder instabile Parameter. KI kann hier Zusammenhänge sichtbar machen, die in klassischen Auswertungen untergehen, und daraus konkrete Empfehlungen ableiten. Wenn z. B. eine Linie bei gleicher Ausbringung stark schwankenden Energieverbrauch zeigt, kann ein Modell die Treiber identifizieren, etwa Temperaturfenster, Taktzeiten oder Materialchargen. Daraus entstehen Maßnahmen, die dauerhaft wirken, zum Beispiel optimierte Setpoints, bessere Schichtübergaben oder frühere Warnsignale bei Abweichungen.
2. Vorausschauende Instandhaltung senkt CO₂e über weniger Ausschuss und Stillstand
Vorausschauende Instandhaltung, häufig Predictive Maintenance genannt, nutzt Daten wie Vibration, Temperatur oder Stromaufnahme, um Ausfälle früh zu erkennen. Der CO₂e-Effekt entsteht zum einen durch weniger Ersatzteile oder weniger Serviceeinsätze. Zum anderen dadurch, dass Prozesse stabil bleiben, Ausschuss sinkt und ungeplante Stillstände vermieden werden, die oft mit hohem Energieverbrauch beim Wiederanlauf und mit Expresslogistik verbunden sind. Dadurch entstehen neben der CO2e-Reduktion auch direkte Kosteneinsparungen.
3. Digitale Zwillinge machen Investitionen entscheidungsfähig
Ein digitaler Zwilling ist ein virtuelles Abbild eines Systems, das mit realen Daten gespeist wird. Damit können Sie Szenarien durchspielen, bevor Sie investieren. Besonders relevant wird das, wenn Elektrifizierung, Abwärmenutzung, neue Anlagen oder eine veränderte Auslastung diskutiert werden. Statt einzelner Annahmen erhalten Sie eine konsistente Sicht auf CO₂e-Wirkung, Kosten und Risiken, und damit eine bessere Grundlage für Entscheidungen im Management.
4. Scope 3 schneller strukturieren, ohne Primärdaten zu ersetzen
Scope 3 ist für die meisten produzierenden Unternehmen die größte und gleichzeitig am schwersten greifbare Emissionsquelle. Zwei KI-Ansätze können hier unterschiedliche, aber sich ergänzende Rollen übernehmen.
LLMs für Struktur und Priorisierung
Hier kommen Large Language Models, wie ChatGPT, Gemini und co., ins Spiel. Sie können Texte aus Einkaufspositionen, Lieferantenerklärungen, Spezifikationen oder Rechnungsdaten strukturieren und dadurch eine bessere Zuordnung zu Warengruppen und Emissionsfaktoren ermöglichen. Das ist besonders hilfreich, wenn Sie nicht bei null starten, sondern Prioritäten setzen wollen, also herausfinden, welche Lieferanten oder Warengruppen den größten Emissionsanteil verantworten und wo sich der Aufwand für tiefere Datenerhebung lohnt.
Predictive AI für belastbarere Schätzwerte
Wo Primärdaten fehlen – und das ist bei Scope 3 die Regel, nicht die Ausnahme – kann Predictive AI einen Schritt weitergehen als klassische Durchschnittswerte aus Emissionsdatenbanken. Konkret bedeutet das: Modelle, die auf Basis verfügbarer Merkmale wie Warengruppe, Herkunftsland, Fertigungstiefe oder Materialzusammensetzung lieferantenspezifische Emissionsschätzungen ableiten. Wenn ein Lieferant keine PCF-Daten liefert, kann ein solches Modell auf Basis vergleichbarer Lieferanten und bekannter Produktionsparameter eine plausiblere Schätzung erzeugen als ein generischer Branchendurchschnitt. Darüber hinaus kann Predictive AI Muster in Lieferantendaten erkennen, die auf Emissionsrisiken hinweisen. Etwa wenn bestimmte Herkunftsregionen, Materialien oder Produktionsverfahren historisch mit höheren Emissionsintensitäten korrelieren. Das erlaubt eine risikobasierte Priorisierung: Welche Lieferantenbeziehungen verdienen sofortige Aufmerksamkeit, und wo reicht eine jährliche Überprüfung?
Wichtig ist die Grenze
KI kann Scope 3 plausibilisieren, den Fokus schärfen und Schätzwerte verbessern. Sie kann fehlende Lieferantendaten jedoch nicht ersetzen und sollte das auch nicht vortäuschen. Wer Scope 3 wirklich senken will, braucht mittelfristig belastbare Datenflüsse mit Lieferanten, klare Standards und vertragliche Anreize. KI ist dabei kein Ersatz für diese Grundlagenarbeit, aber ein wirksames Werkzeug, um den Weg dorthin zu strukturieren und Prioritäten zu setzen, solange die Datenbasis noch wächst.
Warum KI-Projekte oft nicht die erhoffte Wirkung entfalten
Der IPEC-Bericht (2024) zum Einsatz von KI in der Dekarbonisierung zeigt, wie breit das Feld der KI-Möglichkeiten inzwischen ist, von Ressourceneffizienz über Qualitätsmanagement bis zur Kreislaufwirtschaft. Das ist eine gute Nachricht, weil es viele Ansatzpunkte gibt. Es ist aber auch ein Risiko, dass KI eingesetzt wird, wo einfache Regeln, saubere Stammdaten oder ein gutes Messkonzept deutlich wirksamer wären.
Die Ursachen dafür liegen selten im Tool selbst, sondern an zwei Faktoren:
Extern: Der Markt überwältigt. Die Flut an KI-Tools, die alle Schnelligkeit, Skalierbarkeit, Genauigkeit und Transparenz versprechen, macht eine fundierte Entscheidung schwer. Das Ergebnis ist oft eines von zwei Extremen: zu viele Tools, die sich gegenseitig behindern, oder kompletter Verzicht aus Überforderung.
Intern: Die eigene Organisation ist nicht bereit. In unseren Projekten sind die größten Bremsen selten die Tools. Es sind organisatorische und datenbezogene Themen:
- Kompetenzen und Rollen: Wer übersetzt Nachhaltigkeitsziele in Datenanforderungen, und wer verantwortet die Umsetzung im Betrieb?
- Transparenz und Nachvollziehbarkeit: Besonders in der Produktion müssen Empfehlungen erklärbar sein, sonst werden sie im Alltag umgangen.
- Fehlende Prozessverankerung: KI-Empfehlungen bleiben wirkungslos, wenn sie nicht in bestehende Entscheidungs- und Steuerungsprozesse eingebettet sind – weder im Energiemanagement noch im Einkauf.
- Unrealistische Erwartungen an den Reifegrad: Viele Projekte starten mit dem Tool, bevor Messkonzepte, Systemgrenzen und Verantwortlichkeiten geklärt sind – und scheitern dann nicht an der KI, sondern an der fehlenden Grundlage.
Wer diese Punkte nicht berücksichtigt, wird schnell feststellen, dass selbst das beste Tool wenig bewegt.
Ein konkretes Beispiel, das viele kennen
Sie erhalten regelmäßig Kundenanfragen zu Ihrem Product Carbon Footprint (PCF). Das löst jedes Mal eine lange Kette an Aktivitäten aus: Ansprechpartner für Produktzusammensetzungen kontaktieren, Emissionen manuell berechnen, Schätzwerte für die vorgelagerte Lieferkette einfügen. Das bedeutet wochenlange Arbeit. Bis die Antwort fertig ist, hat Ihr Kunde aufgehört nachzufragen und ist zu einem Wettbewerber gewechselt, der den PCF auf Knopfdruck liefern konnte.
Das muss kein Zukunftsszenario bleiben. Mit dem richtigen Partner und einem strukturierten Vorgehen lässt sich die Implementierung von KI-Lösungen in handhabbare Schritte aufteilen, sodass der PCF künftig systemgestützt und reproduzierbar bereitgestellt werden kann.
Entscheidungshilfe, wofür KI eingesetzt werden sollte, und wofür nicht
Wenn Sie KI einsetzen wollen, sollte die Tool-Auswahl nicht am Anfang stehen. Denn Demos zeigen meist idealisierte Anwendungsfälle, sagen aber wenig über Integrationsaufwand, Datenanforderungen und den tatsächlichen Nutzen im Betrieb aus.
Entscheidend ist daher, zunächst die folgenden Fragen zu klären, um herauszufinden, welches Tool zu Ihren Bedürfnissen passt:
- Welches konkrete Problem soll KI lösen?
- Sind die verfügbaren Daten dafür geeignet?
- Welche Tool-Strategie passt zur Organisation?
Schritt 1: Welches Problem soll KI konkret lösen?
Geht es um Bilanzierung und Datenerhebung? Um Monitoring? Um Maßnahmenpriorisierung? Oder um operative Steuerung im Energiemanagement? Je klarer die Antwort, desto gezielter die Tool-Auswahl.
Einen Schritt zurück: Der Rebound-Effekt
Bevor die Datenfrage und Tool-Strategie geklärt werden, lohnt ein kritischer Blick auf eine häufig übersehene Kehrseite: den Rebound-Effekt. Gemeint ist das Phänomen, dass Effizienzgewinne durch KI an anderer Stelle zu Mehremissionen führen können – und den ursprünglichen Einspareffekt teilweise oder vollständig aufheben.
Konkrete Beispiele aus der Praxis:
- KI optimiert den Energieverbrauch einer Anlage so effektiv, dass die Produktionskapazität erhöht wird – mit dem Ergebnis, dass der Gesamtenergieverbrauch steigt, nicht sinkt.
- Predictive Maintenance reduziert ungeplante Stillstände so deutlich, dass Linien länger laufen und die Auslastung steigt – was CO₂e-Einsparungen pro Einheit erzeugt, aber den absoluten Ausstoß erhöht.
- KI-gestützte Beschaffungsoptimierung senkt Kosten so stark, dass Einkaufsvolumen ausgeweitet wird – mit entsprechenden Scope-3-Konsequenzen.
Der Rebound-Effekt bedeutet nicht, dass KI-Einsatz falsch ist. Er bedeutet, dass Effizienzgewinne allein kein Klimaziel erfüllen. Wer KI zur Dekarbonisierung einsetzt, sollte deshalb von Anfang an absolute Emissionsziele definieren – nicht nur relative Verbesserungen – und sicherstellen, dass Effizienzgewinne nicht automatisch in Mengenwachstum fließen.
Schritt 2: Sind die Daten dafür geeignet?
Datenqualität, Granularität, Zugriff, Schnittstellen, Verantwortlichkeiten. Wenn diese Punkte ungeklärt sind, liefert KI oft beeindruckende Grafiken, aber keine belastbaren Entscheidungen. Dazu sei auch gesagt, die Ergebnisse eines KI-Tools sind nur so gut wie die Daten, die hineinfließen.
Zur Orientierung, ob Ihre Daten bereit sind für die Integration in ein KI-Tool, hilft eine einfache Einteilung:
- KI ist sinnvoll, wenn große Datenmengen regelmäßig ausgewertet werden müssen, wenn Entscheidungen wiederkehren und wenn der Hebel messbar ist, zum Beispiel Energieoptimierung, Anomalieerkennung, Prognosen, Szenarien.
- KI ist weniger sinnvoll, wenn Daten fehlen, Daten nicht harmonisiert oder nicht standardisiert sind oder die Fragestellung unklar ist, wofür KI eingesetzt werden soll und welche Daten dafür in welcher Form vorliegen müssen.
Schritt 3: Welche Tool-Strategie passt zur Organisation?
Mehrere spezialisierte Tools oder eine integrierte Plattform? Gibt es bereits ein Tool für Ihr Problem, oder braucht es eine maßgeschneiderte Lösung? In vielen mittelständischen Setups bewährt sich ein modularer Ansatz: Er ist schneller integrierbar und federt die rasante Entwicklung des KI-Markts besser ab. Wer heute ausschließlich wegen großer Marketingversprechen einkauft, stellt morgen fest, dass es bessere Alternativen gibt. Deshalb lohnt es sich, stärker in Datenfähigkeit und Prozessdesign zu investieren als in Produktversprechen.
Ein letzter Hinweis: Nicht jede Anwendung, die mit KI wirbt, enthält auch tatsächlich relevante KI. Es kommt darauf an, wie KI im Tool integriert ist und ob es sich nicht schlicht um eine kostenpflichtige Anbindung an ein Standard-LLM handelt, die Sie im Wesentlichen für eine zweite ChatGPT-Version bezahlen lässt.
Wie wir KI sinnvoll mit Dekarbonisierung verbinden
Ein KI-Projekt wird dann wirksam, wenn es nicht bei einer Demo bleibt, sondern in ein gesamtheitliches Konzept eingebettet ist. Deshalb starten wir typischerweise mit einer Status-quo-Analyse, die bisherige Arbeiten (Bilanzen, Ziele, Maßnahmen) bewertet und mit Datenlage, Prozessen und Toollandschaft zusammenführt. Darauf aufbauend priorisieren wir Use Cases nach CO₂e Wirkung, Umsetzbarkeit und Business-Nutzen, und wir schließen zuerst die Lücken, die KI nicht lösen kann, etwa Messkonzepte, Datenstandards oder Verantwortlichkeiten. Erst dann lohnt sich die Auswahl und Konfiguration von KI Tools, weil Sie danach nicht schneller im Kreis laufen, sondern schneller vorankommen.
Fazit
Es gibt viele Use Cases für KI. Es ist daher entscheidend, den für Ihr Unternehmen passenden zu identifizieren. KI kann Dekarbonisierung in produzierenden Unternehmen deutlich beschleunigen, weil sie aus Daten schneller Entscheidungen macht, und weil sie operative Steuerung ermöglicht, statt nur Berichtspflichten zu erfüllen. Gleichzeitig gilt, KI ist kein Zaubermittel. Wer sie gezielt einsetzt, gewinnt Tempo und Wirkung. Wer sie als Allzwecklösung einkauft, riskiert Mehrkosten und Frust, ohne dass CO₂e sinkt. Wenn Sie Dekarbonisierung skalieren wollen, führt an KI kaum ein Weg vorbei, aber der Einstieg sollte strategisch sein, und zwar dort, wo Daten und Hebel bereits vorhanden sind.
Unternehmen, die diesen Schritt gehen, gewinnen mehr als nur bessere CO₂e-Kennzahlen. Sie gewinnen Klarheit, Handlungssicherheit und am Ende einen echten Wettbewerbsvorteil.